Die stationäre Altenpflege in Deutschland steht vor Herausforderungen, die jeden Bürger betreffen können. Die *Lebenszeit*, die pflegebedürftige Menschen in Einrichtungen verbringen, ist drastisch gesunken: Laut einer Erhebung des Deutschen Caritasverbandes beträgt die durchschnittliche Verweildauer nur noch 25 Monate. Dies ist eine Abnahme um drei Monate innerhalb von vier Jahren. Diese Entwicklungen werfen wichtige Fragen auf, was es bedeutet, in einem Pflegeheim alt zu werden.
Der Einfluss der gesellschaftlichen Veränderungen auf die Pflegequalität
Die Corona-Pandemie hat zwar einige bestehende Probleme offenbart, doch die Ursachen der sinkenden Verweildauer sind vielfältig. Viele ältere Menschen möchten so lange wie möglich in ihrem eigenen Zuhause bleiben. Der Druck, hohe Eigenanteile bei der Pflege zu vermeiden, und die bereits langen Wartelisten in den Pflegeeinrichtungen verstärken diesen Wunsch. Statistisch gesehen gaben fast 30% der Einrichtungen an, dass über ein Drittel der Bewohner im ersten Jahr verstirbt.
Die Realität im Pflegeheim: Notwendige Veränderungen
Die Qualität der Altenpflege wird durch mehrere Faktoren beeinflusst. Oftmals mangelt es an ausreichend ausgebildetem *Pflegepersonal*, was die Betreuung der Heimbewohner erschwert. Viele Einrichtungen sind gezwungen, eine Konzentration auf pflegebedürftigere Bewohner zu akzeptieren, während die Pflegebedingungen sich weiter verschlechtern. Diese Entwicklungen führen zu einer „Konzentration der Unerträglichkeit“, sowohl für das Personal als auch für die Heimbewohner.
Das Zusammenspiel von Politik und Pflegebedürftigen
Die Bürokratie in den Sozialämtern, insbesondere bei der Genehmigung von Hilfen zur Pflege, hat sich als hinderlich erwiesen. Anträge werden oft erst nach Monaten bearbeitet, was für viele pflegebedürftige Menschen existenzielle Risiken birgt. Nach einer Umfrage in 113 Sozialämtern betrugen die Bearbeitungszeiten oft mehr als sechs Monate. Dieses langsame Vorgehen führt zu finanziellen Engpässen und in einigen Fällen sogar dazu, dass Heime bedrohen, Heimbewohner auszusperren.
Empfohlene Maßnahmen zur Verbesserung der Situation
Mit der zunehmenden Pflegebedürftigkeit in einer alternden Gesellschaft müssen sowohl ambulante als auch teilstationäre Unterstützungssysteme gestärkt werden. Die Caritas fordert einen Neustart in der ambulanten Altenhilfe, um den Bedürfnissen der älteren Bevölkerung besser gerecht zu werden. Zu den empfohlenen Lösungen gehören:
- Verbesserte Ausbildung und Rekrutierung von Pflegepersonal
- Schnellere Prozesse in der Bearbeitung von Anträgen auf Hilfe zur Pflege
- Flexible Pflegeangebote, die den Bedürfnissen der älteren Menschen entsprechen
- Einbindung der Angehörigen in die Pflegeplanung
Die Herausforderungen, vor denen die Altenpflege steht, sind nicht nur ein Problem für die Heimbewohner selbst, sondern betreffen auch Familienangehörige und die Gesellschaft als Ganzes. Umso wichtiger ist es, dass der Diskurs über *Pflegeerfahrungen* in Deutschland offen geführt wird. Nur durch eine transparente Auseinandersetzung können positive Veränderungen angestoßen werden.



